DVB-T

DVB-T ist die Abkürzung für engl. Digital Video Broadcasting-Terrestrial und bezeichnet die terrestrische, das heißt erdgebundene, Variante von DVB, die in Europa und anderen Staaten als Standard für die Übertragung von digitalem Fernsehen und Hörfunk per Antenne verwendet (werden) wird. Das nordamerikanische Pendant heißt ATSC, das japanische ISDB.

 

Technik

Wie auch bei den anderen DVB-Varianten, erfolgt die Auslieferung der Daten jedes Programms momentan als MPEG-2-Datenstrom. Die genutzten Frequenzen entsprechen den schon vom analogen Rundfunk bekannten UHF- und VHF-Kanälen, von denen jeder ca. 7 MHz umfasst. Bei der digitalen Ausstrahlung lassen sich diese Kanäle besser ausnutzen und es passen mehrere Programme hinein. Das funktioniert, indem durch das verwendete Modulationsverfahren COFDM die Bandbreite in mehrere tausend Einzelträger aufgeteilt wird. Jeder dieser Einzelträger wird dann wiederum mit einem der drei für DVB-T festgelegten Modulationsverfahren QPSK, 16-QAM oder 64-QAM moduliert.

 

Die Modulation mit COFDM ist nötig, da sich die bei DVB-S und DVB-C verwendeten Verfahren QPSK bzw. QAM für die Ausbreitungscharakteristik terrestrischer Wellen im VHF/UHF-Bereich als ungünstig erwiesen haben. Hinzukommt, daß Kabel- und Satellitenempfänger weder darauf ausgelegt sein müssen, dass sich die Empfänger bewegen noch mehrere Sender im Empfangsbereich aktiv sind. Da bei DVB-T häufig mehrere Senderstandorte das selbe Programm auf der selben Frequenz abstrahlen (so genannter Gleichwellenfunk), unterscheiden sich regional einzelne Kodierparameter der Ausstrahlung, wie z. B. die Länge des Schutzintervalles. Diese Einstellungen wirken sich direkt auf die Nutzdatenrate der Aussendung aus.

 

Die praktisch erreichte Datenrate pro Kanal liegt je nach eingestellten Parametern zwischen ca. 12 und 20 Mbit/s. Hierbei stellt z. B. Nordrhein-Westfalen auf Grund der höheren Senderdichte und der damit einhergehend notwendig höheren Länge des Schutzintervalls nur 12,75 Mbit/s bereit, wohingegen in Berlin z. B. 14,25 Mbit/s erzielt werden. Nach Angaben der DVB-T Mitteldeutschland erreicht man dort bei 64-QAM bis zu 20Mbit/s. Die Datenrate eines Kanales wird hierbei auf mehrere (meistens vier) Programme – ein so genanntes Bouquet – aufgeteilt. Jeder einzelne Sender bekommt somit eine mittlere Bitrate von ca. 3 bis 3,5 Mbit/s. Zum Vergleich: für eine dem heutigen analogen PAL-Fernsehsignal gleichwertige Bildqualität werden bei digitaler Übertragung ca. 3 bis 5 Mbit/s benötigt, auf DVDs werden typischerweise Datenraten bis zu 9,8 Mbit/s verwendet.

 

Bei der Übertragung von Bildern mit hohem Bewegungsanteil, z. B. Action- oder Sportszenen, mit nur 3,5 Mbit/s kann es zu Blockartefakten und Unschärfe kommen. Zur Kompensation kann der Programmanbieter vorübergehend eine höhere Datenrate zugeteilt bekommen und zwar auf Kosten der anderen drei Programme auf diesem Kanal, natürlich vorausgesetzt, diese zeigen nicht gleichzeitig ebenfalls schnelle Bildfolgen und sie lassen es überhaupt zu (siehe unten).

 

Vorteile

Gegenüber dem analogen PAL-System bietet DVB-T einige Vorteile:

Programmvielfalt

Wie schon angesprochen, können auf Grund der benutzten MPEG-2-Komprimierung und digitalen Modulationsverfahren auf einem herkömmlichen analogen Kanal drei bis fünf Programme ausgestrahlt werden. Alternativ reicht die Bandbreite für ein Programm mit höherer Auflösung (HDTV), bisher nur in Australien eingesetzt. Praktisch empfangbar sind in Deutschland je nach Region 11 bis 30 verschiedene Sender bzw. werden es sein, also etwas weniger als im analogen Kabel, zu welchem es eine neue Konkurrenz ohne laufende Kosten darstellt. Die terrestrische Ausstrahlung wird gerne auch zur regionalen Verbreitung von Sendern mit lokalem Bezug eingesetzt, in Deutschland ist dies in allen DVB-T versorgten Gebieten der Fall.

Sendeleistung

Der Systemgewinn von DVB-T gegenüber analogem Fernsehen beträgt etwa 10 dB, es kann also bei gleicher Reichweite mit entsprechend weniger Leistung gesendet werden. Erreicht wird dies durch die höhere Empfindlichkeit der Empfänger, eine Fehlerkorrektur (FEC) und das ohnehin fehlertolerante Modulationsverfahren

Mehrwegeempfang

Eine Eigenschaft des eingesetzten COFDM ist die Fähigkeit, von Hochfrequenzreflexionen (Mehrwegempfang) zu profitieren. Beim herkömmlichen Fernsehempfang machen sich solche Reflexionen als Geisterbild bemerkbar, das heißt über dem normalen Bild erscheint das gleiche Bild nochmals, leicht seitlich versetzt und deutlich schwächer. Bei COFDM hingegen werden auch die aus den reflektierten Signalen empfangenen Signale, die innerhalb einer bestimmten Zeitspanne eintreffen, noch dekodiert und zur Wiederherstellung des gesendeten Bildes genutzt.

Mobilität

Durch diese Unempfindlichkeit können Sender oder Empfänger auch mobil betrieben werden, ohne dass es Probleme beim Empfang gibt; es existieren bereits heute DVB-T-Empfänger in Autos der Mittel- und Oberklasse und Bussen. Der mobile Sende- bzw. Empfangsbetrieb kann unter bestimmten Voraussetzungen beim 2K-Modus bis etwa 250 km/h möglich sein. In der Praxis können die Maximalgeschwindigkeiten für den stabilen Empfang allerdings auch weit darunter liegen, ersten Versuchen zu Folge bricht der Empfang, selbst in einem Kernzentrum, bereits bei einer Geschwindigkeit von über 20 km/h ab. Dies hängt vor allem von folgenden Randbedingungen ab:

 

  • Senderdichte/-entfernungen von SFN-Sendern (abhängig der Länge des Guard-Intervall und natürlich der Senderleistung)
  • Fahrzeuggeschwindigkeiten und Bewegungsrichtungen (Dopplereffekte bei mehr als einem SFN-DVB-T-Sender)
  • allgemeinen Empfangsbeeinträchtigungen durch
    • dynamischen Mehrwegeempfang im Fahrbetrieb z. B. durch bebaute Gebiete
    • Pegeleinbrüche aufgrund Abschattungen durch Fahrzeuge, Unterführungen etc.
    • Schwachsignalbereiche d. h. Unterschreitung des Mindestpegels
    • Richtwirkungen und allgemeiner Performance von integrierten Fahrzeugantennen
    • sowie allen möglichen Kombinationen dieser Effekte

 

Durch aufwändigen Diversityempfang mittels geeigneter Diversity-Konzepte, d. h. mehrer DVB-T Empfangszüge an mehreren Antennensystemen und einer geschickten Kombination der Datenströme und/oder optimierten Kanalschätzungsverfahren (MRC-Diversity) kann eine deutliche Steigerung der Empfangsperformance im 2K und 8k-Mode für den mobilen Betrieb auch im oberen Geschwindigkeitsbereich erreicht werden.

 

Bei ausreichend starkem Signal genügt für den Empfang eine einfache Zimmerantenne, ansonsten ist meist die vielerorts noch vorhandene Hausantennenanlage die optimale Lösung. Portable Fernsehgeräte können so überall, wo eine ausreichende Senderdichte vohanden ist, betrieben werden, unabhängig von Kabel oder Satellitenempfang; daher die in Deutschland zur Promotion verwendete Marke Das ÜberallFernsehen www.ueberallfernsehen.de].

 

Nach dem Motto der beste Verstärker ist eine optimale Antenne kann die Empfangsperformance durch entsprechende Richtantennen deutlich verbessert werden. Grundsätzlich ist es für eine rein passive Antenne, d. h. ohne integrierten Verstärker, unerheblich, ob DVB-T-Signale oder analoge Signale empfangen werden sollen. Die Polarität der abgestrahlten Signale hängt grundsätzlich von den jeweiligen Senderanlagen ab. Die Signale können entweder vertikal oder horizontal gerichtet sein. Dementsprechend muss auch die Empfangsantenne entweder senkrecht oder waagerecht montiert werden.

 

In direkter Nähe des Senders sind Verstärker dagegen wiederum ungeeignet, da sie zur Übersteuerung des DVB-T-Empfängers führen können, bzw. der Verstärker aufgrund Intermodulation Störfrequenzen erzeugt, welche den Nutzfrequenzbereich massiv stören können. Sobald eine gewisser Mindestempfangspegel (incl. Reserve) und somit BER (Bit-Fehlerrate) erreicht ist, ist der Einsatz eines zusätzlichen Verstärkers grundsätzlich nicht mehr sinnvoll, da durch die entsprechenden Fehlerkorrekturen im Empfänger keine fehlerhaften Datensignale mehr vorliegen, d. h. es ist für die Stabilität oder Empfangsqualität unerheblich ob man 10dB oder 20dB über dem Mindestpegel liegt.

Versorgung

DVB-T ermöglicht die lückenlose Versorgung eines großen Gebietes mit Fernsehprogrammen durch Verschaltung mehrerer örtlich voneinander getrennter Fernsehsender zu einem Single Frequency Network (SFN, Einfrequenznetz). Alle Sender arbeiten hierbei auf der gleichen Sendefrequenz und werden per GPS so aufeinander synchronisiert, dass sie auf 100 Nanosekunden genau dieselben Informationen abstrahlen. Somit wird für ein Programm auch auf großer Fläche nur eine Frequenz benötigt. Das analoge Fernsehen benötigt dafür mehrere verschiedene Kanäle, da sich die einzelnen Fernsehsender bezüglich des Aussendezeitpunktes der Daten nicht so exakt synchronisieren lassen und somit an den Gebietsgrenzen der verschiedenen Stationen gegenseitig stören würden. Bei einem gut geplanten SFN-Netz gibt es keine Häuser mehr, die im Funkschatten eines Berges stehen und somit nur schlechten Fernsehempfang bekommen; das im analogen Betrieb übliche komplexe Arrangement von diversen Füllsendern auf verschiedensten Kanälen entfällt damit.

 

Die Vorteile eines SFN werden bei den bisherigen DVB-T-Startinseln in Deutschland in Ballungsräumen auch zum Ermöglichen eines Empfangs ohne Außenantenne genutzt. Da die Funkwellen in ihrer Ausbreitung von den Mauern stark gedämpft werden, ist ein relativ hoher Signalpegel für einen stabilen Empfang notwendig. Hierfür wäre bei nur einem einzigen Senderstandort in einem Ballungsgebiet eine weitaus höhere Sendeleistung notwendig, als sie bislang beim analogen Fernsehen eingesetzt wurde – denn der DVB-T Systemgewinn liegt weit unter dem Wert, den das Signal durch die Dämpfung an Häusern innerhalb von Großstädten wiederum verliert. Durch die Nutzung mehrerer Senderstandorte auf der gleichen Frequenz wird diesem Problem abgeholfen, da nun die Signale eine geringere Entfernung zu den Empfängern zurücklegen müssen und insgesamt im Durchschnitt die Signalstärke gleichmäßiger verteilt ist.

Aufzeichnung

Das digitale Format ermöglicht prinzipiell die verlustfreie Aufzeichnung und Vervielfältigung ohne Neukodierung, etwa auf Festplatte oder DVD. Die meisten Festplatten- und DVD-Rekorder leisten dies bisher nicht, auch zukünftige werden es wohl, wenn überhaupt, nur mittels eines Firmware-Updates oder eines Umbaus können. Außerdem haben die Rechteinhaber ein Interesse daran, dies zu erschweren. Für PCs und Laptops gibt es DVB-T PCI-Karten und externe, über USB anzuschließende Empfangsgeräte, sowie PCMCIA-Karten. Die mitgelieferte Software dieser Geräte erlaubt es häufig, das empfangende Programm ohne Qualitätseinbußen zu speichern.

 

Unser DVB-T DVD Guide beschreibt im Detail wie eine solche Aufzeichnung im Detail durchgeführt werden kann.

Nachteile

Bildqualität

Von Kritikern wird die Bildqualität bemängelt. Das Bildrauschen beschränkt sich bei DVB-T systembedingt zwar auf das von der Kamera erzeugte Aufnahmerauschen und enthält kein analoges Übertragungsrauschen mehr, aber stattdessen resultieren Unschärfe, Klötzchenbildung (sogenannte Makroblöcke) und weitere Kompressionsartefakte, die sich negativ auf das Bild auswirken, aus zu geringen Bitraten, die von einzelnen Programmen genutzt werden.

 

Diese Artefakte treten immer dann besonders stark auf, wenn das Ausgangsmaterial bereits verrauscht ist: je schlechter das Originalbild, umso mehr wird es durch die digitale Übertragung noch weiter verschlechtert.

 

In Deutschland und vielen anderen Ländern teilen sich in den meisten Fällen vier Sender eine Datenrate von ca. 12 bis 20 Mbit/s, das heißt im Mittel 3 bis 5 Mbit/s pro Sender. Dabei kann jedoch ein Programm, das gerade schnelle oder detailreiche Bildfolgen, beispielsweise aus einem Actionstreifen oder einer Sportsendung, zeigt, kurzfristig auf Kosten der anderen im Bouquet eine höhere Datenrate zur Verfügung gestellt bekommen, vorausgesetzt, diese zeigen nicht gleichzeitig ebenfalls komplexe Bildfolgen. Ohne diese Kompensation führen derartige Bitraten bei manchen Bildfolgen zu sichtbaren Kompressionsartefakten. Teilweise wird zur Vermeidung solcher Artefakte die horizontale Bildauflösung von 720 Pixeln (vgl. DVD) auf 704, 544 oder 480 Pixel (vgl. SVCD) herabgesetzt und ggf. ein Weichzeichner vorgeschaltet. Das Bild hat dann weniger Klötzchenartefakte, wird aber dafür unschärfer. Einige Programmanbieter entscheiden sich auch dafür, Material im 16:9- oder einem anderen Breitbildformat nicht anamorph, sondern im Letterbox-Verfahren zu senden, da sich dessen schwarze Ränder besonders effizient komprimieren lassen und so mehr Bits für die verbleibenden höchstens 432 statt der normalen 576 Zeilen zur Verfügung stehen.

 

Auf DVDs, wo ebenfalls MPEG-2 als Datenreduktionsverfahren eingesetzt wird, werden typischerweise vergleichsweise hohe Datenraten von bis zu 9,8 Mbit/s verwendet. DVB-S verwendet etwa 38 Mbit/s pro Transponder (6–10 Kanäle) und kommt so auf mittlere Übertragungsraten von 3,8 bis 6 Mbit/s mit Spitzen von rund 7 bis 8 Mbit/s; DVB-C liegt bei ähnlichen Werten. Über Kabel und Satellit ist durch das breitere Frequenzspektrum auch das Programmangebot theoretisch und praktisch größer. Die geringe Bandbreite pro ausgestrahltem Programm ist ein betriebswirtschaftlich und kein technisch bedingtes Problem von DVB-T; es ließen sich auch weniger Programme pro Kanal übertragen. Im Übrigen gibt es auch bei der digitalen Ausstrahlung über Kabel oder Satellit Sender, die aus Kostengründen niedrige Bandbreiten, die Kompressionsartefakte sichtbar werden lassen, oder geringere Auflösungen einsetzen.

 

Allen aktuell eingesetzten digitalen TV-Übertragungswegen ist gemein, dass das eingesetzte Kompressionsverfahren MPEG-2, welches aus dem Jahr 1991 stammt, im Vergleich zu moderneren Verfahren wie MPEG-4 (H.264/AVC) oder VC-1 deutlich höhere Datenraten zur Übertragung von Bildern einer gegebenen Qualität benötigt. Dafür gibt es für MPEG-2 relativ einfache, billige und inzwischen sehr ausgereifte Decoderchips, wodurch die Empfangsgerätpreise in Grenzen gehalten werden können. Für DVB-S sind daher in Version 2 bereits andere Codecs zugelassen und werden für HDTV auch bereits eingesetzt, aber für DVB-T gibt es noch keine entsprechende Standardergänzung bzw. -änderung.

 

Bei Inversionswetterlagen, die in Mitteleuropa in den Monaten September bis November häufig auftreten, können bei DVB-T Empfangsstörungen durch Überreichweiten auftreten.

Kritik

Nachfolgend werden einige Kritikpunkte aufgelistet, die oft gegen die Umstellung auf DVB-T vorgebracht werden. Hierbei ist zu beachten, dass es sich dabei nicht um tatsächliche Schwächen der Technik selbst, sondern um Migrations- oder Implementierungskritik handelt.

Investitionen für Zuschauer

Der Empfang setzt eine Set-Top-Box oder einen Fernseher mit integriertem DVB-Empfänger (Tuner) voraus, der sich bei einigen Markengeräten (Loewe, Metz, TechniSat, X4-Tech) auch für 200 bis 450 Euro nachrüsten lässt. Neue Fernsehgeräte mit DVB-T-Tuner gibt es u. a. von X4-Tech, Panasonic, Loewe, Humax, Artec, Sharp, TechniSat und Zehnder. Des Weiteren existieren preisgünstigere Lösungen (60–80 Euro) in Form von DVB-T-USB-Sticks für den Computeranwender. Der Zuschauer muss also zusätzliche Investitionen tätigen, um in den Genuss von DVB-T zu kommen, bzw. überhaupt weiter fernsehen zu können.

 

Investitionen können abseits gut versorgter Ballungszentren auch für die Antenne nötig sein, denn zwar ist ein Empfang von DVB-T oft auch mit der schon vorhandene Dachantenne für den Empfang von analogen Fernsehen möglich, diese muss aber ggf. neu ausgerichtet oder auf eine andere Polarisation eingestellt werden. Zusätzlich können Kosten für den Austausch eines älteren Verstärkers entstehen, da DVB-T teilweise höhere Frequenzen als die bisher üblichen (bis Kanal 60) verwendet. Diese Kosten für Außenantennenarbeiten und Umrüstung können an die für eine (digitale) Satellitenempfangsanlage (DVB-S) heranreichen, wobei bei DVB-S ein über hundertfach größeres Programmangebot zur Verfügung steht. Allerdings handelt es sich eben auch im Falle DVB-T um Einmalkosten.

 

Da ein zusätzliches Gerät im Haushalt installiert werden muss (falls noch nicht mit TV integriert), müssen auch die zusätzlichen Stromkosten beachtet werden.

Investitionen für Sender

Da nur eine Minderheit der deutschen Bevölkerung noch den analogen terrestrischen Empfang nutzt, stellt sich die Frage, ob die Kosten für die Umstellung der Netze gerechtfertigt sind, allerdings fallen die laufenden Kosten bei digitaler Technik je Programm geringer aus als bei analoger. Im Vergleich zur Ausbreitung über Satellit ist DVB-T jedoch erheblich teurer und nicht flächendeckend.

 

Daneben bezweifeln Kritiker, dass die staatliche Subventionierung des Sendernetzes, von der auch Privatsender profitieren, konform zu den entsprechenden EU-Vorschriften ist. Aufgrund einer möglichen Wettbewerbsverzerrung zugunsten von DVB-T reichte im Dezember 2002 der deutsche Verband privater Kabelnetzbetreiber Anga bei der EU-Kommission in Brüssel Beschwerde ein. Im November 2005 kam die EU-Wettbewerbsbehörde zu dem Ergebnis, dass die im Großraum Berlin-Brandenburg vom Staat an die privaten Fernsehsender gezahlten Subventionen gegen die Beihilfevorschriften des EG-Vertrags verstoßen, da sie den Wettbewerb verfälschen. Die Zuschüsse begünstigten indirekt das DVB-T-Netz zum Nachteil konkurrierender TV-Plattformen wie Kabel und Satellit, so dass insbesondere das Gebot der Technologieneutralität missachtet wurde. Des Weiteren entschied die Kommission, dass die Privatsender die bereits ausgezahlten Beihilfen, die nicht ordnungsgemäß bei der Kommission angemeldet worden waren, zurückbezahlen müssen.

Verbreitung/Flächendeckung

Eine Konsequenz aus den hohen Kosten ist, dass in Deutschland anfangs nur in sogenannten Startinseln, vor allem den Ballungszentren, auf DVB-T umgestellt worden ist und erst mittelfristig, das heißt bis etwa Ende 2008, eine ca. 85%ige Flächendeckung und mindestens 90%ige Bevölkerungsversorgung vorgesehen ist. Der mobile In-Haus-Empfang (portable indoor; Stabantenne) wird dann auf etwa 20% der Fläche möglich sein, auf weiteren ca. 20% ist mobiler Außer-Haus-Empfang (portable outdoor; Auto, Zimmerantenne) möglich und auf den restlichen ca. 45% ist eine stationäre Außenantenne nötig.

 

In anderen Ländern, z. B. Italien, Spanien oder Großbritannien, wurde zeitnah fast landesweit umgestellt, jedoch das PAL-Fernsehen weiterhin parallel ausgestrahlt (Simulcast), was in den deutschen Startinseln seit Mitte 2005 generell nicht mehr geschieht.

Kanalbelegung

Auch die Aufteilung der Kanäle in Deutschland ist nicht ganz frei von Kritik, da es hier keine erweiterte Vielfalt der Anbieter, sondern nur der Programme gibt. Beispielsweise werden in Norddeutschland 7 der 8 Kanäle mit Programmen der 4 bisherigen Anbieter ARD, ZDF, RTL-Gruppe und ProSiebenSat.1 Media AG gefüllt.

 

Die bislang dominierenden privaten und öffentlich-rechtlichen Anbieter finden sich auch in DVB-T wieder.

 

Die Lizenzvergabe ist in Deutschland allerdings unterschiedlich geregelt. So finden sich in den Startregionen neben den bekannten privaten Fernsehprogrammen je nach Region unterschiedliche zusätzliche Programme. Beispielsweise kann man in der Region Hamburg/Lübeck Hamburg 1 empfangen, während in der Region Berlin/Brandenburg Viva-Plus ausgestrahlt wird.

 

In den Regionen Kassel, Halle, Leipzig, Weimar, Erfurt, Mecklenburg-Vorpommern, Osnabrück/Lingen, Göttingen, Mannheim/Rhein-Neckar, Saarland, Stuttgart und allen bisher noch nicht versorgten, hat sich bislang kein bundesweiter privater Fernsehveranstalter um die Nutzung der Frequenzen beworben, so dass DVB-T in diesen Regionen wie zuvor über PAL nur öffentlich-rechtliche Programme Auswahl vertreten sind/sein werden.

Schlechte Kooperation mit Aufnahmegeräten

Wie es bereits bei (analogen und digitalen) Satelliten-Receivern der Fall ist, arbeiten auch die DVB-T-Receiver nur eingeschränkt mit herkömmlichen Videorekordern und den meisten DVD-Rekordern zusammen. So kann mit einer einfachen DVB-T-Box nicht gleichzeitig ein Programm aufgenommen und ein anderes angesehen werden. Dies gilt jedoch nicht für DVB-T-Receiver mit zwei Tunern.

 

Herkömmliche Videorecorder bieten auch nicht die Möglichkeit, an der DVB-T-Box automatisch ein Programm zu wählen, die Box muss vor der Aufnahme manuell eingestellt werden und eingeschaltet bleiben oder noch zusätzlich zum Rekorder auch programmiert werden.

 

Diese Probleme sind darauf zurückzuführen, dass die herkömmlichen Aufnahmegeräte nur analoge Empfangsteile eingebaut haben und so nicht für den DVB-T-Empfang vorbereitet sind. Es ist zu erwarten, dass zukünftige Geräte (Rekorder und Bildschirme) bereits mit DVB-T-fähigen Empfangsteilen ausgestattet sein werden, zusätzliche Set-Top-Boxen also nicht mehr erforderlich sein werden. Hinzu kommt der Wunsch der Rechteinhaber nach dem Schutz des ausgestrahlten Materials vor hochwertigen Kopien. Für neue DVD- oder Festplattenrekorder mit eingebautem DVB-(T)-Empfangsteil ist geplant, dass die Sender ein Signal mitsenden können, das die Aufzeichnung sendungsweise verbietet oder einschränkt. Die Rekorderhersteller würden dann parallel dazu verpflichtet, ihre Rekorder so zu bauen, dass dieses Signal bei einer Aufnahme ausgewertet wird und dann eventuell eine Aufnahme verhindert – ähnlich dem Macrovision-Kopierschutz für physische Medien. Das Fehlen dieses DRM-Verfahrens soll nach Herstellerangaben ein Grund für die Nichtverfügbarkeit von DVB-Empfängern mit großer Festplatte (> 80 GB) und/oder DVD-Brenner sein.

Umstellung

Im August 2003 wurde die analoge Verbreitung von Fernsehprogrammen zugunsten der digitalen Verbreitung mittels DVB-T im Großraum Berlin als erstem weltweit eingestellt. Im Jahr 2004 folgten in Deutschland die Region Bremen/Unterweser und das Rhein-Main-Gebiet. Am 30. Mai 2005 startete auch in Bayern das digitale Antennenfernsehen. Im Raum München (Rosenheim) und Nürnberg (Fürth) werden 22 DVB-T-Programme ausgestrahlt. (Karte) In den baden-württembergischen Ballungsräumen werden SWR und ZDF rechtzeitig vor Beginn der Fußball-WM 2006 umschalten.

 

Damit sind die Gebiete, für die die großen Privatsender Teilnahmeinteresse angemeldet haben, weitgehend erschöpft, zukünftig werden ganze Empfangsgebiete wie Mitteldeutschland (Halle/Leipzig + Erfurt/Weimar) oder kleinere Städte (Flensburg, Kassel, Hildesheim, Osnabrück/Lingen, Göttingen) und das Umland größerer Städte (Nürnberg) zumindest vorerst nur mit öffentlich-rechtlichen Programmen in drei bis vier Bouquets versorgt. Außerdem wurde angekündigt, dass zukünftig, zumindest aber in Mittel- und Nordost-Deutschland, die Simulcast-Phase entfallen soll.

In Deutschland werden meist vier TV-Programme pro Bouquet verbreitet, in anderen Ländern auch mehr oder weniger, zusätzlich Radioprogramme oder HDTV-Inhalte. Darüberhinaus setzt man in Deutschland von Anfang an komplett auf SFNs und sowohl UHF als auch VHF, während manche andere Länder zumindest anfangs MFNs benutzen oder sich auf UHF beschränken.

 

Die vollständige Umstellung auf DVB-T, also die Abschaffung der analogen Ausstrahlung von Fernsehprogrammen, ist in Deutschland laut Beschluss der Bundesregierung vom 24. August 1998 bis spätestens zum Jahr 2010 vorgesehen. Allgemein soll die Ausstrahlung des analogen Rundfunks (Fernsehen + Hörfunk) in der EU Anfang 2012 enden.

 

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